Kategorie: LiedermacherInnen

Hier stelle ich LiedermacherInnen vor, die mich inspiriert haben, die ich gerne mag, oder die ich einfach interessant finde. Außerdem schreibe ich CD Rezensionen.

  • Was macht eigentlich Anna Depenbusch?

    Diese Frage habe ich mir neulich gestellt, als mir eine alte Setliste in die Hand fiel auf der wir „Tim liebt Tina“ von Anna Deppenbusch gecovert hatten.

    Aber zuerst möchte ich die Musikerin einmal vorstellen:

    Anna Depenbusch ist eine 1977 in Hamburg geborene deutsche Liedermacherin. Musikalisch legt sie sich ungern fest, sondern bewegt sich stilistisch gerne in unterschiedlichen Musikrichtungen. Außerdem ist sie sehr experimentierfreudig, was auffällt wenn man einen Blick auf ihre veröffentlichten Werke wirft.

    2005 veröffentlichte sie ihr Debut Album „ins Gesicht“. Im Jahr 2011 veröffentlichte die Liedermacherin  „Die Mathematik der Anna Depenbusch“ bzw. „Die Mathematik der Ana Depenbusch in Schwarz-weiß“ (schwarz weiß steht für Solo Album nur mit Klavierbegleitung) . 2012 erschien ihr viertes Album „Sommer aus Papier“. Alle Alben erschienen bei dem Label 15music, welches jedoch 2015 an Sony Music verkauft wurde. 2017 wurde bei Columbia ihr fünftes Album „Das Alphabet der Anna Depenbusch“ veröffentlicht und 2018 „Das Alphabet der Anna Depenbusch in schwarz weiß“.

    Bei meinen Recherchen erfahre ich, dass Anna Depenbusch 2020 ein neues Album „Echtzeit“ produziert hat. Die CD wurde auf ihrem eigenem, 2019 gegründetem Label Liedland Records veröffentlicht. Bei der Produktion hat sie sich für eine besondere Aufnahmemethode entschieden: den analogen Vinyl-Direktmitschnitt. Dabei wird in Echtzeit aufgenommen, ohne Schnitt und ohne Pause, live und komplett analog. RESPEKT!

    Ich bin gespannt und höre mir das Album an.

    Besonders gut gefallen hat mir an Anna Depenbusch immer ihre Fähigkeit Geschichten zu erzählen. Ob es die Geschichte von einer Freundin, die nach Berlin zog war, oder die Geschichte von Tim der Tina liebt. Auch auf dem neuen Album erzählt Anna wieder wunderbare Geschichten. Es gibt sogar eine Fortführung von „Tim liebt Tina“:  “Tim 2.0“.

    Auf eine Band hat die Sängerin bei diesem Album verzichtet, stattdessen begleitet sie sich selbst am Flügel. Dabei hat sie keine Scheu vor leisen und so erzeugt sie in „Eisvogelfrau“ oder „Bin dabei“ eine wunderbar intime Stimmung. Die Tatsache, dass Depenbusch auf weitere Instrumente verzichtet hat verleiht dem ganzen Album eine wunderbare Poesie die teils von Sehnsucht und teils von charmantem Witz getragen wird. Ohrwürmer finden sich eher wenig auf dieser CD, doch das scheint auch nicht der Anspruch der Künstlerin gewesen zu sein. Vielmehr fühlt es sich an, als wäre die Künstlerin für einen Moment stehen geblieben um ihre Gefühle und Gedanken mit dem Hörer zu teilen und ihr Leben im Jetzt zu reflektieren bevor sie mit einem Schlaflied in die Nacht entschwindet.

    Mit ECHTZEIT zeigt Anna Depenbusch, dass es nicht immer lauter und mehr sein muss im Gegenteil, in einer Zeit in der jeder versucht lauter zu brüllen als der andere ist diese Album eine wunderschöne Auszeit.

    Homepage Anna Depenbusch

    YouTube Kanal Anna Depenbusch


    Dir hat mein Bericht gefallen, Du hast Vorschläge für weitere Themen oder Du hast ebenfalls Wissen zu diesem Thema? Dann hinterlasse gerne einen Kommentar. Gerne kannst Du auch meinen Newsletter abonnieren.

  • Elen – Nachhaltige Musikerin ohne Ökostempel

    Auf Elen aufmerksam wurde ich durch ihren sehr sympathischen Auftritt bei Ina’s Nacht. Sie spielte dort ihren Song „Liegen ist Frieden“ und da ich mir genau das auch jeden Morgen denke war ich sofort angetan. Noch dazu gefiel mir ihre leicht raue Stimme super gut. Was soll ich sagen? Guter Text, gute Musik und interessante Stimme – ich wollte mehr hören und bestellte ihre CD „Blind über Rot“.

    Coole Musik umweltfreundlich verpackt

    Was ich direkt sehr sympathisch fand war, dass ihr Album „Blind über Rot“ klimaneutral und aus ressourcenschonenden Recyclingpapier produziert wurde. Außerdem wird ein Klimaschutzprojektes im Amazonas-Regenwald unterstützt um den, durch die Produktion entstandenen CO2 Fußabdruck auszugleichen. TipTop!

    Musikalisch könnte die Musikerin für meinen Geschmack durchaus noch öfters ausbrechen. Jedoch muss ich zugeben, dass ich im Pop-Rock Bereich wirklich keine „Hörerfahrung“ habe. Die Texte sind anregend und geben interessante Impulse wie zB. in „Lass uns ja nicht drüber reden, das könnten ja die Nachbarn hören“ oder in „Luftschlösser“ geht es darum, dass einem als Kind die eigene kleine Welt ausgereicht hat um glücklich zu sein.  „Manchmal sehn‘ ich mich in diese Zeit. Bevor wir von hier wegging’n, hab’n drei Straßen noch gereicht.“ (Liedzitat)

    Fazit: Eine gute CD, die auf noch viel mehr Musik hoffen lässt.

    Tolle Frau und super „Macherin“

    Zur Person: Elen ist 1989 in Berlin geboren und begann mit 18 Jahren ihre Karriere als Straßenmusikerin. 2018 zog sie mit ihrem Mann auf einem kleinen Bauernhof nach Brandenburg.

    Im Sommer 2020 veranstaltete sie regelmäßig „Glitter und Stroh“ Hoffeste.  Dazu lud sie ganz unterschiedliche Liedermacher ein, die dann mehr oder weniger unplugged Hofkonzerte spielten. Für 10 Euro konnte man die Konzerte besuchen und den Musikern lauschen. Das ganze fand unter freiem Himmel statt. Leider war ich selbst nie dort, aber die auf Facebook geteilten Videos haben mir den Corona Sommer deutlich versüßt.

    Hörbeispiel:

    Weitere Informationen:

    https://www.elenofficial.com/

    https://www.facebook.com/elenofficial

    Dir hat mein Bericht gefallen, Du hast Vorschläge für weitere Themen oder Du hast ebenfalls Wissen zu diesem Thema? Dann hinterlasse gerne einen Kommentar. Gerne kannst Du auch meinen Newsletter abonnieren.

  • Sarah Lesch – die zierliche Blonde mit den langen Dreadlocks

    Zu Sarah Lesch kam ich, weil mir ein Stück von ihr auf YouTube vorgeschlagen wurde.

    Ich habe, wie über 8 Mio. andere, rein geklickt und war direkt begeistert. Da stand Sarah Lesch mit ihrer Gitarre und spielte „Testament“*. Ich war tief beeindruckt.

    Ich wollte mehr von Sarah Lesch hören und bestellte 3 CD’s von ihr die ich euch im Folgenden gerne vorstellen möchte.

    *Das Lied wird leider auch in rechtsextremen und rechtspopulistischen Kreisen geteilt, wovon Lesch sich aber ganz klar distanziert.

    Lieder aus der schmutzigen Küche – Sympathisches Debutalbum

    (2012 Eigenproduktion, 2015 Rummelplatzmusik)

    Zunächst noch, in Eigenregie, unter dem Namen „Chansonedde“ erschienen, wurde das Album 2015 von Rummelplatzmusik neu veröffentlicht. Wer auf authentische Liedermachermusik ohne viel Schnickschnack steht ist hier bestens aufgehoben.

    Mit einnehmender Stimme präsentiert Sarah Lesch auf ihrem Debutalbum teils witzige und teils kritische Texte. Allein für ihr Lied „Kapitän“ lohnte sich der Kauf. Darin besingt sie das Schicksal von Stefan Schmidt, der vor Gericht stand, weil er 37 Personen aus Seenot gerettet hat und gleichzeitig für die Rettung Preise bekam.

    Wohl hört man an manchen Stellen noch die junge, vielleicht unerfahrene Liedermacherin heraus wenn Reime ein wenig holpern oder viel Text aber wenig Musik zur Verfügung steht doch das stört keinesfalls sondern macht eher sympathisch. Mit einem verschmitzten Lächeln schafft es die Musikerin ihre Hörer auf verschiedenen emotionalen Ebenen anzusprechen.

    Von Musen und Matrosen – ein Reisetagebuch

    (2015, Rummelplatzmusik)

    Dieses Album entstand auf Reisen und genau dahin nimmt uns die Liedermacherin mit. Auf eine Reise zu fremden Welten und wilden Tieren, zu schmutzigen Küchen und mit an den Strand. Verspielt und ungezwungen sind ihre Lieder, teilweise gewürzt mit Sarkasmus und durchweg sympathisch.

    Aber schauen wir uns die CD mal etwas genauer an: Bei der Auswahl an Musik bedient Sarah Lesch sich unterschiedlicher Stilmittel, so ist in „Komm Steine werfen“ der Einfluss des Tangos deutlich hörbar. Bei „Notiz“ nutzt sie eine sehr hohe, eindringliche Geige als Stilmittel zum Ausdruck ihrer Wut und ihres Schmerzes über eine Trennung. In „Fünf Minuten bitte“ sorgt ein leicht verzerrtes Gitarrenspiel im 6/8tel Takt für leicht nostalgisches Flair der Text handelt vom zeitvergehen und der Tatsache, dass Barkeeper immer jünger werden. „Plejaden“ ist hohe Liedermacherkunst bei dem ein sehr poetischer Text durch zarte Musik unterstützt wird. Gänsehaut. Bei „Eisenheinrichs Fischerlied“ singt Sarah Lesch mit Felix Meyer ein wunderschönes Duett mit sehr ansprechendem Text. Ein klares Highlight auf der CD.

    Leider oder selbstverständlich kommt die Studioversion von „Testament“ nicht an die Live Version auf YouTube heran. Trotzdem sehr geschmackvoll und dezent mit zarten Geigenklängen umgesetzt. Als Intro und Outro spielt die Künstlerin zwei Instrumentalstücke. Sehr erfrischend und absolut passend für dieses Album.

    Kurzum, wer eindrucksvoll feinsinnig und abwechslungsreich unterhalten werden will wird an dieser CD sehr viel Freude haben.

    Da draußen – Von einer, die spätestens jetzt zu den Großen gehört

    (2017, kick the flame)

    Obwohl „da draußen“ schon ihr drittes Album ist ging nichts an Kreativität oder Ideenreichtum verloren. Im Gegenteil die Musik und die Texte sind noch runder und stimmiger man merkt, dass Sarah Lesch sich in allen Bereichen weiter entwickelt hat.

    Auf diesem Album zeigt Sarah Lesch, im Titelsong „da draußen“ dass sie durchaus auch einmal wütend sein kann dafür schlägt sie einen scharfen Ton an und nutzt einen leichten Zerreffekt auf ihrer Stimme als Stilmittel. Sehr versöhnlich wirkt im Gegensatz dazu der Refrain in dem sie auf Text verzichtet und eher summt.

    Dass die Sängerin trotz wachsendem Erfolg nicht den Boden unter den Füßen verloren hat zeigt sie eindrucksvoll mit ihrem Song „Adieu“, eine Hommage an ihren ehemaligen Wohnort Tübingen. Für das Seemannslied „Die Ballade von Frei Johnny“ kommt ein Akkordeon zum Einsatz, was den Klang nach dem Meer und dessen Rauheit bestens unterstreicht. In ihrer stimmungsvollen Balade „Tete-a-Tete“ spielt sie zum ersten Mal mit jazzigen Einflüssen. In dem, von einem Trompeten Solo eingeleiteten Stück macht Lesch sich Gedanken über das Leben und sich selbst. Ein kleines Gitarrensolo im Zwischenteil findet die passenden Töne dazu. In „Das mit dem Mond“ greift die Künstlerin zu fettem Bandsound und teilweise zweistimmigen Gesang. Der Text handelt davon, dass es alles schon einmal gab und dass alles irgendwann wiederkehrt.

    Fazit: Wer ihr zuhört und mitdenkt wird mit offenherzigen Statements, nachdenklichen Texten  und sehr vielseitiger Musik belohnt. Aus der Newcomer Szene ist sie mit ihrem dritten Album herausgewachsen, nun sollte sie eher als eine der großen deutschsprachigen Liedermacherinnen gesehen werden.

    Hörbeispiel (YouTube):

    Weitere Informationen:

    https://sarahlesch.de/

    https://www.facebook.com/sarahlesch

    Neustes Album: Der Einsamkeit zum Trotze (2020 Räuberleiter)

  • Cynthia Nickschas – Authentisches Energiebündel ohne Liebesschnulzen

    Cynthia Nickschas – Authentisches Energiebündel ohne Liebesschnulzen

    Auf Cynthia Nickschas wurde ich aufmerksam durch Konstantin Wecker. Da ich vor zwei Jahren noch wirklich gar keine Ahnung von aktuellen Liedermachern hatte beschloss ich mich mehr mit dem Liedermacher Genre zu bechäftigen. Also fing ich mit den „großen“ Liedermachern an und schaute ein Konstantin Wecker Konzert auf YouTube. Ihn kannte ich zwar schon lange war aber nie ein Wecker Fan und hatte mich deshalb nie wirklich mit seiner Musik beschäftigt.

    Dann kam Cynthia auf die Bühne und spielte ihr Stück „TANZ“….viel zu schnell. Cynthia war verständlicherweise super aufgeregt aber gerade das fand ich sympathisch. Trotz der hohen Geschwindigkeit hatte sie das Stück mit einer enormen Energie vorgetragen. Zugegeben ihre Stimme war im ersten Moment vielleicht etwas gewöhnungsbedürftig. Trotzdem wollte ich auf YouTube mehr Stücke von ihr anhören. Nachdem ich mir einige YouTube Videos angeschaut hatte war ich mir nicht sicher, was ich von dieser Musikerin halten sollte:

    Lauter Schreihals oder ehrlich wütende Künstlerin?

    Trotzdem wollte ich unbedingt mehr von ihr hören. Also bestellte ich ihre CD „Kopfregal“ (veröffentlicht 2014 auf Konstantin Weckers Label Sturm & Klang) und war einfach nur begeistert. Punkt. Nicht nur, dass das Album sehr gut produziert und ihre Stücke in abwechslungsreiche Arrangements verpackt sind, auch ihre Texte sprachen mich sofort an. Besonders gut gefällt mir, dass sie sich nicht müden Liebesliederklischees  bedient die auf emotionale Identifikation abzielen. Sie singt über Themen wie die Verdummung unserer Leistungsgesellschaft oder über die Suche nach dem richtigen Weg ohne dabei in die Kitschfalle zu geraten.

    Sie schlägt einem einfach mal mit ihrem Text mitten ins Gesicht und, was soll ich sagen? Dass kann so gut tun. Dabei versprüht sie so viel Energie, dass man am liebsten gleich selbst los laufen, und etwas besser machen möchte.

    Ihre zweite CD „Egoschwein“ veröffentlicht Cynthia 2019 bei Kick the Flame. Als ich die CD zum ersten Mal hörte musste ich mich kurz an den neuen Sound gewöhnen. Der Gesang ist jetzt oft mehrstimmig, Wozu? Denke ich mir anfänglich und bin fast ein bisschen enttäuscht. Doch schnell finde ich Gefallen an dem neuen Sound, finde die Mehrstimmigkeit interessant und spätestens nach dem 3. Anhören ist alle Kritik verflogen und ich bin absolut begeistert. Sie ist immer noch da, die kritische, widerspenstige Cynthia Nickschas, die es wie keine andere versteht mir einen kräftigen Tritt in den Hintern zu verpassen und mich anzuschreien: „Los, mach!“

    Wer steckt hinter dieser emotionalen Krachmacherin?

    Die Fakten: Geboren ist Cynthia Nickschas 1987 in Tuttlingen. Heute lebt sie mit Bandkollegen und einem Teil ihrer Familie in einer Wohngemeinschaft bei Bonn. Ihre Eltern sind Musiklehrer und sie selbst begann mit 18 Jahren ihre ersten eigenen Lieder zu schreiben. Begonnen hat sie ihre Karriere als Straßenmusikerin im Jahr 2017. Nachdem sie unerwartet ihren Job verlor beschloss sie sich mit Straßenmusik über Wasser zu halten. 2010 gewann sie den ersten Platz bei einem Straßenmusikerwettbewerb. 2014 war sie Preisträgerin der Hanns-Seidel-Stiftung und 2015/2016 begleitete sie Konstantin Wecker auf seiner Tournee.

    Leider kenne ich Cynthia Nickschas nicht persönlich, jedoch habe ich sie schon live bei Konzerten erlebt und einige Interviews von ihr gesehen. Beschreiben würde ich sie als eine sehr emotionale, schlaue und viel reflektierende Frau, die trotz starker Stimme und viel Wut im Bauch sehr sensibel und zerbrechlich wirken kann. Etwa wenn sie bei einem Konzert den Tränen nahe ein Gedicht für einem verstorbenen Hund vorträgt den sie schmerzlich vermisst. Jedoch versteckt sie ihre Weichheit schnell wieder hinter einer weit herausgestreckten Zunge nachdem ein Konzertbesucher etwas übertrieben sein Mitleid äußert.

    Ich sehe sie als eine Künstlerin in einem ständigen Auf und Ab getrieben von Optimismus und Depression. Vielleicht fast schon manisch aber genau das macht sie aus und genau daraus schöpft sie ihre Energie. Ihre Gefühle finden Ausdruck in Ihrer Musik und ich kenne keine andere Musikerin der es gelingt ihre Emotionen so wunderbar in genialen Krach zu verwandeln.

    Hörbeispiel (YouTube):

    Weitere Informationen:

    https://www.cynthiaandfriends.de/

    https://www.friendsclub-shop.de/

    https://www.facebook.com/cynthia.nickschas