Sarah Lesch – die zierliche Blonde mit den langen Dreadlocks

Zu Sarah Lesch kam ich, weil mir ein Stück von ihr auf YouTube vorgeschlagen wurde.

Ich habe, wie über 8 Mio. andere, rein geklickt und war direkt begeistert. Da stand Sarah Lesch mit ihrer Gitarre und spielte „Testament“*. Ich war tief beeindruckt.

Ich wollte mehr von Sarah Lesch hören und bestellte 3 CD’s von ihr die ich euch im Folgenden gerne vorstellen möchte.

*Das Lied wird leider auch in rechtsextremen und rechtspopulistischen Kreisen geteilt, wovon Lesch sich aber ganz klar distanziert.

Lieder aus der schmutzigen Küche – Sympathisches Debutalbum

(2012 Eigenproduktion, 2015 Rummelplatzmusik)

Zunächst noch, in Eigenregie, unter dem Namen „Chansonedde“ erschienen, wurde das Album 2015 von Rummelplatzmusik neu veröffentlicht. Wer auf authentische Liedermachermusik ohne viel Schnickschnack steht ist hier bestens aufgehoben.

Mit einnehmender Stimme präsentiert Sarah Lesch auf ihrem Debutalbum teils witzige und teils kritische Texte. Allein für ihr Lied „Kapitän“ lohnte sich der Kauf. Darin besingt sie das Schicksal von Stefan Schmidt, der vor Gericht stand, weil er 37 Personen aus Seenot gerettet hat und gleichzeitig für die Rettung Preise bekam.

Wohl hört man an manchen Stellen noch die junge, vielleicht unerfahrene Liedermacherin heraus wenn Reime ein wenig holpern oder viel Text aber wenig Musik zur Verfügung steht doch das stört keinesfalls sondern macht eher sympathisch. Mit einem verschmitzten Lächeln schafft es die Musikerin ihre Hörer auf verschiedenen emotionalen Ebenen anzusprechen.

Von Musen und Matrosen – ein Reisetagebuch

(2015, Rummelplatzmusik)

Dieses Album entstand auf Reisen und genau dahin nimmt uns die Liedermacherin mit. Auf eine Reise zu fremden Welten und wilden Tieren, zu schmutzigen Küchen und mit an den Strand. Verspielt und ungezwungen sind ihre Lieder, teilweise gewürzt mit Sarkasmus und durchweg sympathisch.

Aber schauen wir uns die CD mal etwas genauer an: Bei der Auswahl an Musik bedient Sarah Lesch sich unterschiedlicher Stilmittel, so ist in „Komm Steine werfen“ der Einfluss des Tangos deutlich hörbar. Bei „Notiz“ nutzt sie eine sehr hohe, eindringliche Geige als Stilmittel zum Ausdruck ihrer Wut und ihres Schmerzes über eine Trennung. In „Fünf Minuten bitte“ sorgt ein leicht verzerrtes Gitarrenspiel im 6/8tel Takt für leicht nostalgisches Flair der Text handelt vom zeitvergehen und der Tatsache, dass Barkeeper immer jünger werden. „Plejaden“ ist hohe Liedermacherkunst bei dem ein sehr poetischer Text durch zarte Musik unterstützt wird. Gänsehaut. Bei „Eisenheinrichs Fischerlied“ singt Sarah Lesch mit Felix Meyer ein wunderschönes Duett mit sehr ansprechendem Text. Ein klares Highlight auf der CD.

Leider oder selbstverständlich kommt die Studioversion von „Testament“ nicht an die Live Version auf YouTube heran. Trotzdem sehr geschmackvoll und dezent mit zarten Geigenklängen umgesetzt. Als Intro und Outro spielt die Künstlerin zwei Instrumentalstücke. Sehr erfrischend und absolut passend für dieses Album.

Kurzum, wer eindrucksvoll feinsinnig und abwechslungsreich unterhalten werden will wird an dieser CD sehr viel Freude haben.

Da draußen – Von einer, die spätestens jetzt zu den Großen gehört

(2017, kick the flame)

Obwohl „da draußen“ schon ihr drittes Album ist ging nichts an Kreativität oder Ideenreichtum verloren. Im Gegenteil die Musik und die Texte sind noch runder und stimmiger man merkt, dass Sarah Lesch sich in allen Bereichen weiter entwickelt hat.

Auf diesem Album zeigt Sarah Lesch, im Titelsong „da draußen“ dass sie durchaus auch einmal wütend sein kann dafür schlägt sie einen scharfen Ton an und nutzt einen leichten Zerreffekt auf ihrer Stimme als Stilmittel. Sehr versöhnlich wirkt im Gegensatz dazu der Refrain in dem sie auf Text verzichtet und eher summt.

Dass die Sängerin trotz wachsendem Erfolg nicht den Boden unter den Füßen verloren hat zeigt sie eindrucksvoll mit ihrem Song „Adieu“, eine Hommage an ihren ehemaligen Wohnort Tübingen. Für das Seemannslied „Die Ballade von Frei Johnny“ kommt ein Akkordeon zum Einsatz, was den Klang nach dem Meer und dessen Rauheit bestens unterstreicht. In ihrer stimmungsvollen Balade „Tete-a-Tete“ spielt sie zum ersten Mal mit jazzigen Einflüssen. In dem, von einem Trompeten Solo eingeleiteten Stück macht Lesch sich Gedanken über das Leben und sich selbst. Ein kleines Gitarrensolo im Zwischenteil findet die passenden Töne dazu. In „Das mit dem Mond“ greift die Künstlerin zu fettem Bandsound und teilweise zweistimmigen Gesang. Der Text handelt davon, dass es alles schon einmal gab und dass alles irgendwann wiederkehrt.

Fazit: Wer ihr zuhört und mitdenkt wird mit offenherzigen Statements, nachdenklichen Texten  und sehr vielseitiger Musik belohnt. Aus der Newcomer Szene ist sie mit ihrem dritten Album herausgewachsen, nun sollte sie eher als eine der großen deutschsprachigen Liedermacherinnen gesehen werden.

Hörbeispiel (YouTube):

Weitere Informationen:

https://sarahlesch.de/

https://www.facebook.com/sarahlesch

Neustes Album: Der Einsamkeit zum Trotze (2020 Räuberleiter)

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