Kontrabassist vs. Kontrabassistin – der kleine (SEO-)Unterschied

Kürzlich wollte ich meine Website auf das Keyword Kontrabassistin optimieren. Ein Keyword ist ein Schlüsselwort, über welches meine Homepage auf Google gefunden werden kann. Dabei habe ich festgestellt, dass das Suchvolumen, also wie oft das Keyword in die Google Suche eingegeben wird, sehr niedrig ist. Nur durchschnittlich 40 mal im Monat wird in der Google Suchmaschine eine Kontrabassistin gesucht, das bedeutet, meine Chance als Musikerin tatsächlich gefunden zu werden ist nicht sehr groß.

Ach wäre ich nur ein Kontrabassist

Zum Spaß gab ich Kontrabassist in die Suchspalte bei Google ein und siehe da: 18.100 (!) Suchanfragen monatlich für das Wort Kontrabassist. Aha, darin liegt also das Geheimnis: Um bei Google gefunden zu werden muss ich mich auf meiner Homepage als Mann ausgeben.

Sie suchen einen Kontrabassisten? Dann sind Sie hier genau richtig!

Zwar bin ich kein Kontrabassist sondern eine Kontrabassistin doch aufgrund meiner Weiblichkeit spiele ich nicht schlechter als einer meiner männlichen Kollegen. Falls Sie also einen Kontrabassisten suchen nehmen Sie gerne Kontakt mit mir auf:

Und wenn ich das nicht will?

Dann ist mein Ranking, also wie weit oben ich bei Suchergebnissen angezeigt werde, schlecht und ich werde viel seltener gefunden als meine männlichen Kollegen. Na toll! Das bedeutet doch, dass zwar im offiziellen Sprachgebrauch sehr viel Wert auf eine gendergerechte Sprache gelegt wird, dass aber die Algorithmen von Google herzlich wenig Wert auf die Gleichbehandlung von Frauen und Männern in Suchmaschinen legen.

Ranking-Vergl. (Live Pos.) Kontrabassist vs. Kontrabassistin (Quelle: XOVI)

Nein, ganz so einfach ist es nicht, denn die Suchmaschinen und deren Algorithmen werden von deren Usern, also von uns „geschult“. Sie geben nur das wieder, was wir von ihnen verlangen und das sind nunmal eindeutig Kontrabassisten und keine Kontrabassistinnen.

Was würde ich in das Suchfeld eingeben: Kontrabassist oder Kontrabassistin?

Wäre ich auf der Suche nach neuen Musikerkollegen würde ich wohl auch nur Gitarrist oder Pianist in das Googlesuchfeld eingeben. Bestimmt habe ich auch schon oft nach einem Arzt gegoogelt, ohne mir über Genderformulierung Gedanken zu machen. Hauptsächlich geschieht das aus Gewohnheit, teilweise auch aus Bequemlichkeit. Jedoch bestimmt nicht, weil ich nur männliche Suchergebnisse sehen will.

1980 wird im Bürgerlichen Gesetzbuch ergänzt, dass Stellenangebote nicht mehr nur für Männer oder nur für Frauen ausgeschrieben werden dürfen; in der Praxis steigt der Gebrauch femininer Berufsbezeichnungen, alternativ werden maskuline Bezeichnungen mit dem Klammerzusatz (m/w) für „männlich/weiblich“ versehen, ab 2018 mit (m/w/d) auch für „diversgeschlechtlich“.

Wikipedia

Mein Fazit: Gesetze können zwar den offiziellen Sprachgebrauch regeln, nicht aber unsere Gedanken. Was unser Denken und unseren allgemeinen Sprachgebrauch angeht sind wir leider noch weit von einer gendergerechten Sprache entfernt. Aber wer weiß, vielleicht googlen Sie ja beim nächsten Mal Kontrabassist oder Kontrabassistin und irgendwann werden dann vielleicht auch die Algorithmen lernen, keinen Unterschied zwischen männlichen und weiblichen Suchaufträgen mehr zu machen.

Suchwort (Keyword)Suchvolumen (monatliche Suchanfragen)
Musikerin590
Musiker5.400
Managerin1.600
Manager14.800
Köchin2.400
Koch22.200
Ärztin6.600
Arzt246.000
Suchanfragenvergleich männlich/weiblich (Quelle: Ubersuggest)

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